NACHRICHTEN

Gesetzentwurf für neues Insolvenzrecht der Banken steht

25.08.2010 - Die Bundesregierung hat ein neues Insolvenzrecht auf den Weg gebracht, das speziell auf Banken zugeschnitten ist. Damit soll eines der Kernprobleme der Finanzkrise gelöst werden. Das Kabinett verabschiedete am 25. August einen Gesetzentwurf, der künftig eine geordnete Abwicklung von schlingernden Instituten ermöglichen soll. Darin ist auch eine Bankenabgabe vorgesehen, mit der die Branche an den Kosten künftiger Schieflagen beteiligt werden soll.

Das neue Gesetz soll bereits 2011 in Kraft treten, die Regierung will es in einem verkürzten Verfahren durch das Parlament bringen.

Die wesentlichen Aspekte des neuen Gesetzes sind folgende:

  • Ein neues, zweistufiges Insolvenzrecht für Banken: Es reicht von einer Sanierung der Bank in Eigenregie bis hin zu ihrer Zerschlagung durch die Bankenaufsicht. Die erste Stufe, die Sanierung, lehnt sich an das in der Wirtschaft etablierte Insolvenzplanverfahren an und ist freiwillig. Die zweite Stufe, die Reorganisation, kann nur angewendet werden, wenn durch eine Pleite das gesamte Finanzsystem gefährdet ist. Dann kann die Bankenaufsicht die systemrelevanten Teile auf einen privaten Erwerber oder eine staatliche Brückenbank übertragen.
  • Ein Banken-Testament: Damit im Notfall schnell gehandelt werden kann, müssen vor allem Großbanken eine Art Testament verfassen. Es soll Angaben zur Konzernstruktur enthalten, um mögliche systemrelevante Teile und Geschäfte abzugrenzen. Denn Banken bestehen oft aus zahlreichen selbständigen, schwer zu überblickenden Einheiten. Die Deutsche-Bank-Gruppe zum Beispiel soll etwa 7000 dieser Einheiten umfassen.
  • Beteiligung der Banken an den Kosten: Mit dem Gesetz soll zudem ein zweites Problem gelöst werden, nämlich die finanzielle Absicherung eines Konkurses durch Kredite und Bürgschaften. Bisher sind hier die Steuerzahler über den staatlichen Bankenrettungsfonds Soffin eingesprungen, der zum Jahresende ausläuft. Künftig sollen die Institute jährlich rund eine Milliarde Euro in einen neuen Restrukturierungsfonds einzahlen. Die Höhe der Bankenabgabe orientiert sich an den individuellen Risiken der Banken. Zur Kasse gebeten werden nicht nur private Geldhäuser, sondern auch die Sparkassen und Genossenschaften sowie Spezialinstitute wie Immobilienbanken.
  • Kredite vom Bund: Ganz aus der Haftung nimmt das Gesetz die Steuerzahler allerdings nicht. Weil das Geld in dem Fonds zur Absicherung von Großpleiten nicht reichen wird, kann der Bund dem Fonds Kredite von bis zu 20 Milliarden Euro geben, die allerdings von den Banken zurückgezahlt werden müssen. Zudem kann der Fonds Kreditbürgschaften von bis zu 100 Milliarden Euro gewähren.
  • Mehr Verantwortung für Manager: Bankmanager werden stärker in die Pflicht genommen. Die Frist zur Haftung bei Pflichtverletzungen der Geschäftsführung soll bei börsennotierten Instituten von fünf auf zehn Jahre verdoppelt werden. Schadenersatzansprüche gegen Manager sollen auch dann möglich sein, wenn Verfehlungen erst spät bekanntwerden oder die personelle Zusammensetzung von Vorständen und Aufsichtsräten sich geändert hat.

In der Koalition ist das Gesetz weitgehend unumstritten. Die Regierung braucht allerdings auch die Zustimmung der Länder im Bundesrat, in dem Union und FDP keine Mehrheit haben. Zudem regt sich Widerstand in der Bankenbranche, die vor allem die Abgabe kritisiert. So betont der Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR), es gebe keinen überzeugenden Grund, Genossenschaftsbanken zu einer Sonderabgabe für Risiken von systemrelevanten Banken heranzuziehen. Dies gelte vor allem, da Hedgefonds und andere Kapitalmarktteilnehmer nach wie vor geschont werden sollen. Uwe Fröhlich, Präsident des BVR: "Der genossenschaftliche FinanzVerbund ist stabil und stark genug, um seine Mitglieder im Bedarfsfall über die gruppeneigene Sicherungseinrichtung zu stützen. Dies wurde in jahrzehntelanger Praxis bewiesen."

In anderen europäischen Ländern wird an ähnlichen Verfahren gearbeitet, die Regierungen der 20 führenden Industrie- und Schwellenländer haben dieses Vorgehen auf Weltfinanzgipfeln verabredet.

Quelle: Spiegel online, Bundesfinanzministerium, BVR

Weitere Informationen zum Regierungsentwurf finden Sie Hier

Autor(en): Bankmagazin
send print AddThis Feed Button
MEHR ZUM THEMA
Insolvenzrecht   Bankenabgabe   Finanzkrise  
WEITERE NACHRICHTEN
» Commerzbank auf dem Verbriefungsmarkt weiterhin aktiv
Die Commerzbank ist weiterhin am Verbriefungsmarkt aktiv. Sie platzierte mit "CoSMO Finance II-2" Mezzaninkapital-Risiken in Höhe von rund 150 Millionen Euro eines Zwei-Milliarden-Euro-Portfolios aus Forderungen gegenüber deutschen Mittelständlern. Dies entspricht einer Vollplatzierung der relevanten Verbriefungstranche. » mehr...
» Transaction Banking bringt gutes Geschäft
Eine Studie der Managementberatung Bain & Company "Margenstark, risikoarm und kundennah: Die Renaissance des Transaction Bankings" gibt Aufschluss über jüngste Entwicklungen und aktuelle Herausforderungen, wie die wachsende Konkurrenz durch Nicht-Banken oder den steigenden Investitionsdruck in neue IT-Systeme. » mehr...
» Deutsche Bank: "Auch unter schwierigen Bedingungen gute Ergebnisse"
Anlässlich der heutigen Bilanzpressekonferenz der Deutschen Bank AG sagte Dr. Josef Ackermann, Vorsitzender des Vorstands der Deutschen Bank: "Die Deutsche Bank hat erneut bewiesen, dass sie auch unter schwierigen Bedingungen ansehnliche Ergebnisse erzielen kann. Unsere ´klassischen` Geschäftsfelder haben 2011 mit Rekordergebnissen marktbedingte Schwächen im Investmentbanking ausgeglichen." » mehr...
 
 LOGIN
Benutzername
Passwort
 
NEWSLETTER
Newsletter Der Bankmagazin Newsletter informiert Sie regelmäßig über die Bankenszene und die Finanzbranche. Natürlich kostenlos!

  
Wettbewerb
Gesucht: Deutschlands Kundenchampions 2012 - beste Bank Gesucht: Deutschlands Kundenchampions 2012 - beste Bank

Ausgeprägte Kundenorientierung ist für Banken heute ein „Muss“, um sich im Wettbewerb zu differenzieren. Doch wie steht es um Ihre Kundenorientierung? Wo liegen Sie im Vergleich zu ihren Wettbewerbern?
Karrierechancen erobern
Testen Sie Ihren Marktwert! Testen Sie Ihren Marktwert!

Sie suchen neue Karrierechancen im Vertrieb? Sie wollen erfahren, wie hoch Ihr Marktwert ist und bei welchem Unternehmen Sie mehr Geld bekommen? Dann machen Sie mit bei der Aktion "Karrierechancen erobern" von BANKMAGAZIN und dem IMWF Institut für Management- und Wirtschaftsforschung!
Assistance
Assistance-Barometer 2012 Assistance-Barometer 2012

Für die Finanzwirtschaft werden Unterstützungs-Leistungen immer wichtiger. Eine Studie zur Servicedynamik in Deutschland bringt neue Erkenntnisse.
Banking Guide 2012
<br>Handbuch<br>Banking Guide 2012<br>
Handbuch
Banking Guide 2012


Neu erschienen! Informationen, Trends und Überblick: Das Who is Who der Dienstleister und Zulieferer - für Entscheider in Banken und Sparkassen.

BRANCHENINDEX ONLINE
BranchenIndex - B2B-Firmensuche für Industrie und WirtschaftDie B2B-FIRMENSUCHE für Industrie und Wirtschaft


In Kooperation mit der Hoppenstedt Firmeninformationen GmbH

Kostenfrei in über 300.000 Firmenprofilen nach Lieferanten, Herstellern, Dienstleistern und Händlern recherchieren:

» Zur Business-to-Business-Firmensuche

LEXIKON
GABLER WIRTSCHAFTSLEXIKON ONLINE

Gabler Wirtschaftslexikon Online: Lexikon und Definition für Betriebswirtschaft, Volkswirtschaft, Recht und SteuernDas Wissen der Experten:
- Qualitätsgeprüft.
- 25.000 Stichwörter.
- Kostenlos online.

» Definition kostenlos im Lexikon suchen

 
Home Bestellung Mediadaten AGB/Datenschutz Impressum Kontakt RSS

© Springer Fachmedien Wiesbaden GmbH