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Anforderungen an Boni in Banken steigen

06.06.2011 - Nach unsicheren Aussichten im Zuge der Finanzkrise stehen bei vielen Kreditinstituten in Deutschland und Österreich die Zeichen wieder auf Wachstum. Der Personalbestand wird eher verstärkt als verringert, das Grundgehalt steigt um 1 bis 3 Prozent und die Bonushöhen erreichen wieder Vorkrisenniveau. Das geht aus einer Befragung der Unternehmensberatung Towers Watson hervor.

„Aufgrund des regulatorischen Korsetts können die Banken für die langfristige Bindung von Schlüsselmitarbeitern nicht mehr so stark auf monetäre Anreize setzen wie früher. Folglich wird die Bedeutung weiterer Maßnahmen zur Mitarbeiterbindung, etwa im Bereich Talent Management, Karriereentwicklung oder Work-Life-Balance wachsen“, so Martin Emmerich, Finanzexperte bei Towers Watson, Frankfurt.

Positive Geschäftsentwicklung spiegelt sich in Gehältern wider
Schätzten die meisten Befragten noch im Juni 2010 die weitere Geschäftsentwicklung als unklar ein, blicken nun zwei Drittel der Befragten positiv in die Zukunft. Dies spiegelt sich auch in den erwarteten Veränderungen im Personalbestand wider. Zum einen stieg der Anteil der Banken, die Mitarbeiter einstellen werden, auf 41 Prozent (gegenüber 11 Prozent im Juni 2010), zum anderen planen weniger Banken als im vergangenen Jahr, ihren Personalbestand weiter zu verringern.

Die positive Grundstimmung zeichnet sich zudem in der Vergütung ab. Wie im Vorjahr betragen die Grundgehaltssteigerungen mehrheitlich zwischen 1 und 3 Prozent. Anpassungen in der Grundvergütung nahmen insgesamt 40 Prozent der befragten Institute vor, und dies vor allem bei den Mitarbeitergruppen der Geschäftsführer und Risk Taker. Nahezu alle Institute, die die Grundvergütungen aufgrund regulatorischer Vorgaben angepasst haben, veränderten folglich auch die Zusammensetzung der Vergütung aus Grundgehalt und variablen Anteilen.

Gestiegene Bonusvolumina stehen erhöhten Anforderungen gegenüber
Die Veränderungen der ausgezahlten Bonusvolumina im Vergleich zum Vorjahr zeigen eine nahezu einheitlich positive Tendenz für alle Mitarbeitergruppen. Bei rund der Hälfte aller Banken stiegen die Boni ganzheitlich, bei rund einem Viertel der Institute erhielten die Mitarbeiter ähnlich hohe Boni wie für 2009. Lediglich bei 16 Prozent der befragten Institute mussten die Mitarbeiter eine Verringerung der Boni hinnehmen.

„Im Durchschnitt sind die Bonushöhen wieder auf dem Vorkrisenniveau angekommen. Jedoch sind die Anforderungen, die mit der Auszahlung verbunden sind, deutlich gestiegen. Die vielfältigen Deferralregelungen sind hier nur ein Beispiel“, so Towers-Watson-Berater Emmerich. Verfügten in der Vergangenheit nur 24 Prozent aller Institute in Deutschland und Österreich über Deferralregelungen, so ist die Zahl auf aktuell rund die Hälfte gestiegen. Deferralregelungen legen fest, dass Boni zeitverzögert ausgezahlt werden. Zudem ist die Auszahlung oft an die künftige Geschäftsentwicklung und den nachhaltigen Erfolg des Instituts geknüpft. Mehrheitlich beträgt der Zurückbehaltungszeitraum für Deferrals drei bis fünf Jahre, in Österreich mindestens fünf Jahre. Zwei Drittel der Banken sehen im Zeitverlauf mehrere Auszahlungen vor, während weitere 30 Prozent eine vollständige Auszahlung nach Ablauf der Frist planen.

Umsetzung der Regulatorik zum Teil noch „work in progress“
Mit der Anpassung der Vergütungssysteme an die neuen regulatorischen Anforderungen haben sich praktisch alle Banken befasst. Das betrifft Veränderungen im Hinblick auf angemessene Obergrenzen für das Verhältnis von fixer und variabler Vergütung, die Berücksichtigung von Risikoaspekten bei der Erfolgsmessung und die Abbildung qualitativer Ziele bei der individuellen Leistung der Mitarbeiter.
Mehr als ein Viertel hat den Anpassungsprozess bereits abgeschlossen, bei 66 Prozent sind die Anpassungen noch in Arbeit. Fast zwei Drittel der befragten Banken haben bereits differenzierte Obergrenzen für das Verhältnis von fixer und variabler Vergütung bei unterschiedlichen Mitarbeitergruppen festgelegt. Einheitliche Obergrenzen sehen nur 17 Prozent der Banken vor, wozu ausschließlich deutsche Institute gehören. 21 Prozent der Banken haben noch keine Obergrenzen definiert.

Fast ohne Ausnahmen berücksichtigen die befragten deutschen und österreichischen Institute Risikoaspekte bei der Ermittlung des Gesamterfolgs bzw. der Organisationseinheit. Bei der Ermittlung der individuellen Leistung greifen alle Institute auf qualitative Kriterien zurück. Die Beachtung interner Regelwerke (Compliance) spielt bei der Hälfte der Banken eine Rolle, während die Kundenzufriedenheit oder erlangte Qualifikationen nur bei rund einem Viertel bzw. Fünftel zum Tragen kommen.

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Bildquelle: © Ernst Rose/Pixelio.de, http://www.pixelio.de

Autor(en): Bankmagazin
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