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Finanzkrise als „Chance für ein Korrektiv“

25.10.2011 - „2,7 Milliarden Menschen auf der Welt haben immer noch keinen Zugang zu Krediten.“ Mit diesen Worten eröffnete Stefan Knüppel, Vorstand von OID Opportunity International Deutschland (OID), den gestrigen Deutschlandbesuch von Professor Muhammad Yunus, Friedensnobelpreisträger und Gründer der Grameen Bank.

„Die Kunden kommen nicht zur Grameen Bank, die Bank kommt zu den Kunden.“ So beschreibt Yunus das Prinzip der Grameen Bank. Oberstes Ziel des Instituts sei es, die Armut in Bangladesch zu bekämpfen. Aus seiner Sicht kommt die Bank mit einem jährlichen Rückgang der Armut um zuletzt 1,7 Prozent diesem Ziel immer näher. Für ihn seien die Kredite lediglich Mittel zum Zweck. Es mache ihn vielmehr stolz, dass es seinen Kunden wichtig sei, zu den Kreditnehmer zu gehören.

Knapp die Hälfte der Kredite selbst finanziert
Mittlerweile bestehe die Grameen Bank in Bangladesch aus 2.600 autarken Filialen, die bis heute insgesamt einen Betrag von 1,5 Milliarden US-Dollar verliehen haben, der jeden Monat um 125 Millionen US-Dollar anwachse. Diesem Kreditvolumen stünden Einlagen in Höhe von einer Milliarde US-Dollar entgegen. So verfügten laut Yunus über die Hälfte der Filialen in Bangladesch mittlerweile über mehr Einlagen als Kredite, da die Kreditnehmer mithilfe eines separaten Kontos, eines so genannten Pensionfonds, Geld separat anlegen können, was sehr gut aufgenommen worden sei. Yunus versteht die Grameen Bank als „Sozialunternehmen“. So möchte das Institut auch durch Versicherungen gewährleisten, dass Ausgaben für Bildung auch ab der zweiten Generation möglich sind.

Yunus nahm in diesem Zusammenhang auch zu den kritischen Stimmen Stellung und betonte, dass es bei der Vielzahl an Mikrofinanzangeboten auch Anbieter gebe, deren oberste Priorität es nicht sei, Menschen zu helfen, sondern möglichst hohe Gewinne zu erwirtschaften. Aus seiner Sicht entspricht das nicht der originären Idee seines Instituts, auch da deren Zinsen viel zu hoch angesetzt werden.

Zur derzeitigen Wirtschafts- und Bankenkrise erklärte er, dass er mit den Demonstranten der Bewegung Occupy WallStreet in New York und anderen Städten sympathisiere. Das Finanzsystem müsse für alle zugänglich sein. Er sieht gerade in dem Profit-Denken der Banken ein Problem. Aus Yunus’ Sicht sollte die Finanzkrise als Weckruf dienen hin zu einer „Chance für ein soziales Korrektiv“.

Wachstum nicht nur im Kreditgeschäft
Momentan wächst die Grameen Bank unter anderem in den USA. In New York bietet die Bank mittlerweile 6.000 Mikrokreditnehmern Kredite an. Weitere Filialen in den USA sind geplant. Auch in Mittelamerika, China und im Kosovo ist die Bank als Kreditgeber aktiv. Neben dem Kreditgeschäft plant die Bank momentan unter anderem eine Initiative mit Adidas, um Turnschuhe, die weniger als einen US-Dollar kosten, herzustellen, und plant diese Idee auch auf andere Bereiche auszuweiten. Außerdem fördert die Bank derzeit den Bau von Solaranlagen in Indien, was bereits zu einer Versorgung der Bevölkerung mit einer Millionen Anlagen geführt hat.

Fotoquelle: © Stephanie Hofschläger / www.pixelio.de

Autor(en): Barbara Bocks
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