S&P droht Deutschland mit Herabstufung der Kreditwürdigkeit
07.12.2011 -
Die Rating-Agentur „Standard & Poor’s“ (S&P) drohte 15 Euro-Ländern, darunter auch Deutschland, mit der Herabstufung ihrer Kreditwürdigkeit. Somit könnte die Bundesrepublik die beste Bonitätsnote AAA aufgrund der sich weiter verschärfenden Schuldenkrise im Euroraum verlieren.
S&P setzte das Rating der 15 Staaten der Eurozone auf „CreditWatch with negative implications“. Die Länder werden nach Angaben von Spiegel online auf eine Liste mit negativem Ausblick für die Bewertung ihrer Staatsanleihen gesetzt.
Neben Deutschland sind Frankreich, Finnland, die Niederlande, Österreich und Luxemburg von der drohenden Herabstufung betroffen. Die einzigen Euro-Länder, die nicht auf "CreditWatch negative" gesetzt wurden, sind Zypern und Griechenland, da die Kreditwürdigkeit Zyperns bereits untersucht wird und die Bonität Griechenlands aktuell die schlechteste aller Staaten sei. S&P wählte laut Spiegel online die schärfere Form des „CreditWatch with negative implications“, um eine höhere Dringlichkeit der Überprüfung auszudrücken. Die Bonitätsprüfer haben in den kommenden 90 Tagen Zeit, eine Entscheidung zur Herabstufung zu treffen. Als Begründung gebe S&P laut Spiegel online an, dass die systematischen Belastungen der Euro-Länder in den vergangenen Wochen ein Ausmaß erreicht hätten, das einen erheblichen Druck auf die Bonität des gesamten Euroraums ausübe. Es gebe zudem das Risiko, dass die Euro-Zone als Ganzes im kommenden Jahr in die Rezession rutsche. Die Wahrscheinlichkeit liege dabei bei rund 40 Prozent. Die Ratingagentur wolle aber das Gipfeltreffen der Euro-Zone am 8. und 9. Dezember abwarten.
Politiker halten an ihrem Kurs fest
Trotz der Gefahr einer Bonitäts-Herabstufung halten nach Angaben von Spiegel online die Euro-Länder an ihrem Kurs fest. In einer gemeinsamen Erklärung teilten Bundeskanzlerin Angela Merkel und Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy mit, dass sie die Einschätzungen der Ratingagentur zur Kenntnis nehmen. Trotzdem hielten sie weiterhin an ihren aktuellen Vorschlägen zur Verschärfung der Rahmenbedingungen im Euroraum fest.
Drohende Abstufung Deutschlands nicht nachvollziehbar
Der Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands Öffentlicher Banken Deutschlands (VÖB), Dr. Hans Reckers, äußerte sich zur drohenden Abstufung so, dass er sich zwar der Dauerkritik an den Rating-Agenturen nicht anschließe, jedoch die Entscheidung S&Ps als nicht nachvollziehbar empfinde. Deutschland habe seine Neuverschuldung reduziert. Dieser Schritt käme daher zur Unzeit und sei ein überflüssiges Signal, das für Unruhe sorgen könne. Die Feri EuroRating Services AG hält weiterhin an ihrer höchsten Bonitätseinschätzung für Deutschland fest. Für die Beibehaltung der höchsten Note AAA sprechen nach Angaben der Feri EuroRating Services AG insbesondere die große Wirtschaftskraft, die Position Deutschlands als weltweiter Nettogläubiger sowie die hohe Stabilitätskultur auch in Bezug auf die öffentlichen Finanzen. Auch wenn die gegebenen Bürgschaften und Garantien für die Griechenlandhilfe in ganzer Höhe zahlungswirksam würden, so stiege die Verschuldung Deutschlands lediglich um etwa zwei Prozentpunkte des BIP an. Auch dies würde an der höchsten Bonitätseinschätzung Deutschlands nichts ändern, so Axel Angermann, Leiter Economics bei der Feri EuroRating Services AG.
15 der weltweit größten Banken abgestuft
Neben der Androhung auf Herabstufung hatte S&P nach Angaben von Spiegel online erst in der vergangenen Woche 15 der weltweit größten Banken abgestuft. Die Deutsche Bank und die Commerzbank gehörten jedoch nicht dazu. Der Ausblick für das Rating des deutschen Branchenprimus sei nun aber „negativ“ und nicht mehr „stabil“. Die genossenschaftliche FinanzGruppe sei hingegen laut Aussagen des Bundesverbands der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR) um eine Stufe von A+ auf AA- angehoben worden. Der Ausblick sei hier nun stabil.
Quellen: SPIEGEL ONLINE, Bundesverband Öffentlicher Banken Deutschlands (VÖB), Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR), Feri EuroRating Services AG,
Standard & Poor’s (S&P)
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Autor(en): Bankmagazin