Strategische Ausrichtung in Banken neu gedacht - Teil 2
02.06.2010 - Ein Unternehmen hat seinen eigenen Charakter, seine eigene "kulturelle DNA". Sein Charakter als Summe der vorherrschenden Verhaltensweisen macht es unverwechselbar (aber auch fehlbar). Wenn die Unternehmenskultur nun aus gegebenem Anlass auf dem Prüfstand steht, kann es dabei nicht um Gleichmacherei im Sinne eines tugendhaften Ideals gehen. Entscheidend ist vielmehr, erwünschtes Verhalten zu benennen und dessen Ausprägung, den Zielerfüllungsgrad zu messen, um daraus notwendige Veränderungsinitiativen abzuleiten. Was kann ein solches Bezugssystem leisten, und wie kann es entwickelt und durchgesetzt werden?
Erfolgreiche Unternehmen fordern von ihren Mitarbeitern konstruktive, zukunftsgerichtete Verhaltensweisen anstatt Vergangenheitsbewältigung und die Suche nach Schuldigen. Oder wie es Organisationsberater Professor Fritz B. Simon von der Privatuniversität Witten-Herdecke ausdrückt: "Moderne Führungskräfte sind Kommunikationsgestalter. Sie schaffen Rahmenbedingungen, damit im Unternehmen konstruktiv kommuniziert werden kann."
Ausgangspunkt sollte ein gemeinsam getragenes Unternehmensleitbild sein, aus dem konkrete Ziele und Ergebnisbeiträge von Abteilungen und Personen abgeleitet werden können. Vorgehen:
Schritt 1:
Wiechenstellung | Schritt 2:
Ausarbeitung | Schritt 3:
Kommunikation |
- Kerninhalte werden explizit und implizit durch die Unternehmensleitung vorgegeben
- Sie sind nicht Gegenstand einer Abstimmung
- Teams werden zusammengestellt |
- Maßnahmen in Arbeitsgruppen und Workshops gemeinsam ausarbeiten
- Inhalte kritisch hinterfragen
- Akzeptanz prüfen
- Ergänzungen aufnehmen |
- Initialkommunikation durch so genannte Big-Bang-Veranstaltung
- Weitere Kommunikation in einem kontinuierlichen Prozess |
Ziel: Transparente Information nach innen und außen
Wichtig ist dabei unter legitimatorischen Gesichtspunkten, "Betroffene zu Beteiligten zu machen", das heißt Mitarbeiter und gegebenenfalls auch die relevante Öffentlichkeit an der Gestaltung des Leitbildes zu beteiligen.
Um glaubwürdige Anreize für konstruktives Verhalten und Verhaltensänderungen zu schaffen, müssen Anforderungen formuliert sowie messbar und einer Diskussion zugänglich gemacht werden. Zentral ist dabei die objektive Bewertung von Bezugspunkten, um Fortschritte messen zu können:
- Standort-Bestimmung: Mit einem Kultur-Audit wird der Unterschied zwischen Ist-Kultur und gewünschter Kultur (Verhaltensausprägungen) transparent und kommunizierbar. Visualisierung ist dabei ein wichtiges Instrument, um den Status quo sowie Ziele und den Weg dorthin für alle Mitarbeiter im Unternehmen greifbar zu machen.
- Fortschritt-Verfolgung hin zur gewünschten Kultur durch regelmäßige Erhebung: die Vergleichbarkeit des Status quo zu verschiedenen Zeitpunkten sollte durch valide Instrumente sichergestellt werden.
- Feedback - Nachvollziehbarkeit: Interventionen und Korrekturen als Ergebnis gemeinsamer Diagnose. Erwünschtes Verhalten sollte belohnt, unerwünschtes Verhalten korrigiert und auch sanktioniert werden.
- Weiterentwicklung der Fähigkeit, konstruktive Dialoge zu führen durch geeignete Interventionen und Trainings
Seit mehr als 30 Jahren wird das "Kreisprofil" der Professoren Lafferty und Cooke (Human Synergistics) in nationalen und internationalen Projekten für das Identifizieren und Messen der Unternehmenskultur eingesetzt. Die objektive Erhebung und Visualisierung von Verhaltensstilen hilft, die vorherrschende Kultur in Unternehmen zu charakterisieren und notwendige Maßnahmen zu diskutieren.
Fazit und Ausblick
Lern- und Anpassungsfähigkeit sind Schlüsseleigenschaften einer "adaptiven Kultur" und damit wichtigste Erfolgsfaktoren langfristig überdurchschnittlich erfolgreicher Unternehmen. Lernfähigkeit bedeutet, dass das Unternehmen Veränderungen im relevanten Umfeld wahrnimmt sowie eigene Praktiken und Routinen regelmäßig hinterfragt. Anpassungsfähigkeit bedeutet, dass ein Unternehmen vorausschauend Veränderungsimpulse aufgreift und sie auch zur Weiterentwicklung von Werten, Fähigkeiten, Strukturen und Systemen nutzt.
Autor: Michael Risch, Michael Risch Unternehmensberatung, Kontakt:
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Autor(en): Michael Risch