Der Schlüssel liegt im Datenmanagement
06.07.2010 - Wie große Risiken eine Bank eingeht – das ist Chefsache. Deshalb diskutiert die Finanzbranche seit ihrer Krise vor zwei Jahren intensiv über das Thema Gesamtbanksteuerung. Häufig ist zu hören, dass es dabei letztlich darauf ankommt, geeignete Leistungsindikatoren (KPIs) zu finden und wirklich zu nutzen. Das ist sicher richtig – doch scheitern solche ehrgeizigen Konzepte in der Praxis allzu leicht an einem ungenügenden Datenmanagement.
Ein Beispiel: Für die Impact Study zum geplanten Basel III haben viele deutschen Banken umfassende Geschäftsdaten dem Baseler Ausschuss bereitgestellt. Von einem Teilnehmer ist bekannt, dass er dafür 20 Experten zuzüglich externer Berater ganze drei Monate lang beschäftigte. Wenn es aber bereits einen solchen Aufwand kostet, die erforderlichen Daten einmalig verfügbar zu machen, wie soll dann erst im laufenden Geschäft eine vollständige Sicht auf die eigenen Positionen und Transaktionen hergestellt werden? Auf welcher Basis soll das Gesamtrisiko der Bank verlässlich bewertet werden?
Aussagekräftige Risikoanalysen lassen sich nur auf Grundlage einer vollständigen und konsistenten Datenbasis durchführen, die zudem ständig aktuell gehalten werden muss. Dafür müssen sämtliche relevanten Daten in einem zentralen Enterprise Data Warehouse in voller Detailtiefe integriert werden. Erst dann können etwa Interdependenzen zwischen Teilmärkten berücksichtigt und zugleich die Validität der verwendeten KPIs durch Drilldowns überprüft werden.
Liegen die Daten hingegen – wie bei deutschen Banken allzu oft – über die Abteilungen verstreut, kämpfen Risikoanalysten stets mit einer geringen Datenqualität und -tiefe oder müssen lange Verzögerungen in Kauf nehmen. Dies mindert die eigene Handlungsfähigkeit und letztlich auch das Marktvertrauen in die Bank. Denn es besteht die Gefahr, auf der Ebene des Datenmanagements diejenigen Fehler zu perpetuieren, die man durch eine ausgefeilte Gesamtbanksteuerung abstellen will.
Autor: Andreas Geissler ist Teradata Vice President Central Europe und Geschäftsführer der Teradata GmbH.
Autor(en): Andreas Geissler